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Wild, wild West-Texas: Bucket List für einen Roadtrip durch West-Texas

Der Weg, den der Rio Grande von den Rocky Mountains bis zum Golf von Mexiko zurücklegt, erzählt seine schönsten Geschichten im Westen von Texas. 2.000 Kilometer mäandert der Fluss durch die texanische Prärie und stellt die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Hier ist der Wilde Westen so, wie man ihn sich vorstellt, samt Cowboys und ihren Rinderherden, Ranches und Rodeos. Bei einem Roadtrip durch West-Texas entdeckt man das ursprüngliche Amerika – und seine schrägsten und schrulligsten Geschichten.


Bucket List für einen Roadtrip durch West-Texas ♥ Lesezeit: 20 Minuten


Die Sonne steht hoch in El Paso. Die Luft flirrt und zeichnet die harten Kanten der Stadt weich, beinahe so, als würden die Sandkörner der nahe gelegenen Chihuahua-Wüste über den Umrissen von El Paso einen wilden Tanz aufführen. Hier, im westlichsten Zipfel von Texas, wo immer ein wenig Wüstenstaub in der Luft zu liegen scheint, fängt jene Geschichte an, die den Charakter von Texas als Lone Star State am besten einfängt. Eigenwillig und ehrlich, schrullig und stur – in jedem Fall aber immer unabhängig. Denn lange vor dem Anschluss an die Vereinigten Staaten war Texas eine unabhängige Republik. Noch heute ist von diesem Unabhängigkeitswillen eine Menge geblieben, auch dort, wo in Texas die Grenzen so nahe liegen wie in El Paso, dass sie beinahe verschwimmen. Wo hier der Rio Grande seine tiefsten Stellen hat, verläuft die natürliche Grenze zwischen den Vereinigen Staaten und Mexiko – und genau hier sollte man ansetzen, wenn man bei einem Roadtrip durch West-Texas die schrägsten und schrulligsten Geschichten entdecken will.

Roadtrip durch West-Texas

Multikulti & Tex-Mex in El Paso

El Paso ist nicht nur der ideale Startpunkt für einen Roadtrip durch West-Texas, sondern auch eine prima Basis, um jene Grenzgeschichten aufzuspüren, die die Region seit jeher prägen. Das ist der Lage geschuldet: Die westlichste Stadt Texas’ liegt direkt an der Grenze zu Mexiko. Vom Herz der Stadt am San Jacinto Plaza sind es nur wenige Häuserblocks in Richtung El Paso Street, die man entlangschlendern muss, um Juarez zu erreichen, das mexikanische Pendant auf der anderen Uferseite des Rio Grande und Partnerstadt von El Paso. Hier geht die El Paso Street kommentarlos in die Avenue Benito Juarez über, als wäre alles eins. El Paso und Juarez mögen zwar durch eine Grenze geteilt sein und in verschiedenen Ländern liegen, die Menschen sind es aber nicht. Kulturelle Unterschiede verschwimmen und vereinen sich hier, auf beiden Seiten. Gerade das macht den besonderen Reiz aus.

Roadtrip durch West-Texas
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El Paso erfindet die Tex-Mex-Tradition jeden Tag aufs Neue. Arbeiter spazieren jeden Morgen plaudernd über die Grenze, in den Restaurantküchen brutzeln Burger neben Maistortillas, der Sound der Stadt ist ein melodiöser Mix. Jeder mischt Spanisch und Englisch, ohne sich darum zu kümmern, allerorts, en todas partes. Es sind aber auch die Kontraste, die hier Geschichten erzählen. El Paso zählt zu den sichersten Städten des Landes, während Juarez es mehrfach auf die Liste der gefährlichsten Städte der Welt schaffte. Ein Paradoxon? Mag sein, aber eines, das die Städte nicht daran hindert, eine Symbiose einzugehen, die weit über Kultur, Küche oder Kunst hinausgeht. Das spürt man an jeder Ecke der Stadt. Ob Geräusche, Geschmäcker oder Gerüche, Amerika und Mexiko wechseln sich stets ab und zelebrieren eine friedliche Coexistenz: Margaritas neben Root Beer, Tacos neben Burgern, Cappucchino neben Cortado. Die Grenze bestimmt das Leben beider Städte – und das ist gut so. 

Roadtrip durch West-Texas
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Bester Kaffee in El Paso: Bei District Coffee Co. (222 Texas Ave Suite F) gibt es eine große Auswahl an Kaffeesorten, die Coffee Box (401 N Mesa St) ist ein klitzekleines Container-Café, das Hipster gerne ansteuern.

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Bestes Frühstück in El Paso: Ein fancy Ambiente und eine großartige Speisekarte hat das Salt + Honey Café (801 N Piedras St), wo es die besten Pfannkuchen und den leckersten French Toast der Stadt gibt. Tipp für Kaffeejunkies: der Espresso-Flight.

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Bestes Lunch in El Paso: Die frischesten Zutaten, kreativsten Rezepte, nettesten Mitarbeiter und instagramtauglichsten Gerichte gibt es im gleichzeitig hippen wie gemütlichen Mamacita’s (14217 Spanish Point D). Tipp: die Shrimp-Tacos und die Churros!

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Bestes Dinner in El Paso: Ein weniger außerhalb der Stadt ist das Los Bandidos Carlos and Mickeys (310 Magruder St) die beste Adresse für großartige, mexikanische Küche, prima Unterhaltung und Live-Musik. Tipp: die Texas Sized Margarita bestellen. Wie überall in Texas gilt: Je größer, desto mehr Texas!

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Bester Shop in El Paso: Ein Must-See ist die Lucchese Boot Factory (40 Walter Jones Blvd), die 1883 von Sam Lucchese jr. gegründet wurde und bis heute weit über die Grenzen der USA bekannt ist. Alleine Arnold Schwarzenegger nennt 50 Paar Lucchese-Cowboystiefel sein eigen. Alles hier wird handgemacht, deshalb dauert es vom ersten Handgriff zum fertigen Boot auch drei Monate. Das macht die einzigartigen Boots auch so besonders und so lange haltbar. Tipp: In den beiden Lucchese Outlets (11751 Gateway Blvd und 6601 Montana Ave) gibt es stark reduzierte Modelle!

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Bestes Museum in El Paso: Schon seit 1959 dreht sich im Museum of Art (1 Arts Festival Plaza, Eintritt frei) alles um die spannendste Kunst in West-Texas. Werke von Künstlern aus dem „Wilden Westen“ hängen hier genauso wie jene von mexikanischen Künstlern und die ausgestellte Kunst ist ein gelungener Mix der Kulturen.

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Beste Hotels in El Paso: 1930 eröffnete das allererste Hotel von Conrad Hilton in El Paso. Das heutige Plaza Hotel (106 Mills Ave) wird gerade umgebaut und im Frühjahr 2020 wieder eröffnet, inzwischen ist das DoubleTree by Hilton (600 El Paso St) eine gute Wahl. Wer es lieber hip statt klassisch möchte, checkt im Hotel Indigo (325 N Kansas St) ein, wo das Lifestyle-Level sehr hoch liegt – dank fancy Bar und Rooftop-Pool. Historisches und gleichzeitig uriges Flair gibt’s im Gardner Hotel (311 E Franklin Ave). Das älteste Hotel der Stadt hat neben nostalgischen Interieur-Elementen auch eine altmodische Telefonzelle und eine antike Telefonzentrale in der Lobby. 

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Die Wüste trägt Prada in Valentine

Wieder irgendwo im Nirgendwo, auf der Route des Highway 90, liegt das verschlafene Valentine. Weil das Städtchen an einem 14. Februar gegründet wurde, gab die Bahngesellschaft, die 1882 den Ort zum Leben erweckte, Valentine ebendiesen Namen. Es gibt kein Restaurant, keine Tankstelle, dafür eine kleine Schule, eine Post und einen Zahnarzt. In die nächste Stadt braucht man 45 Minuten. Heute leben gerade mal 150 Menschen in Valentine. Man würde bei einem Roadtrip durch West-Texas an dem Mini-Städtchen vorbeifahren, gäbe es da nicht auf dem Highway 90 nur zwei Kilometer vor der Stadt ein kleines Gebäude, das seit 2005 den einsamen Highway geschäftiger wirken lässt als bisher.

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Mitten auf der staubigen Straße trägt die texanischen Wüste Prada. Wo kilometerweit nichts zu sehen ist außer verbrannter Erde und schnurgeradem Asphalt, steht seit 2005 am Highway ein Prada-Store. Das Künstlerduo Elmgreen & Dragset hatte die Idee, Prada Marfa (2 Kilometer westlich von Valentine am Highway 90) mitten in die Wüste zu stellen – allerdings keinen Shop, sondern eine Kunstinstallation. Denn obwohl im Schaufenster die Herbst-Kollektion 2005 von Prada zu sehen ist: Kaufen kann man diese nicht. Im Gegenteil: Elmgreen & Dragset wollten mit dem Store ein Statement gegen die Konsumgesellschaft abgeben und sorgten für dieses Prada-Paradoxon am entlegenen Straßenrand. Heute machen viele Texas-Urlauber bei ihrem Roadtrip durch West-Texas hier Halt, um die Kunstinstallation zu fotografieren und die Einsamkeit des Highways zu genießen.

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Western-Kulisse auf der Little Reata Ranch

Wie aus dem Nichts zeichnen sich am Horizont plötzlich Figuren in der Ferne ab. Auf dem Weg nach Marfa passiert man beim Roadtrip durch West-Texas die Little Reata Ranch (6 Kilometer westlich von Marfa am Highway 90), die man keinesfalls verfehlen kann. Direkt an der Straße thronen mitten im Präriegras überdimensionale Figuren. James Dean, Elizabeth Taylor und Rock Hudson fügen sich ins Ambiente ein, als hätte der Wilde Westen sie hier ganz absichtlich in die Landschaft gespuckt. Grund für diese Filmkulisse mitten im Nirgendwo ist der Film „Giant“ (deutsch: Giganten) aus dem Jahr 1956. Damals brachte das Filmstudio Warner Bros den gleichnamigen Roman-Bestseller von Edna Ferber mit dem US-amerikanischen Regisseur George Stevens auf die Leinwand – und holte die damaligen Filmlegenden James Dean, Elizabeth Taylor und Rock Hudson nach Marfa und auf die Little Reata Ranch, wo der Film gedreht wurde. Die Kulisse wurde damals aufwändig in Hollywood gebaut, mit dem Zug nach Marfa gebracht und vor Ort wieder zusammengesetzt. Jene Kulisse am Highway gibt es allerdings erst seit 2018, als der Künstler John Cerney seine Kunstwerke hier aufbauen ließ. Beim Roadtrip durch West-Texas gilt: einfach die Augen offenhalten, am Straßenrand stehenbleiben und staunen. Wer die Ranch in ihrer Gesamtheit besuchen will, muss vorab einen Termin ausmachen.

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Kunst, Kultur & Kuriositäten in Marfa

Die Straßen sind wie leergefegt, kein Mensch ist zu sehen. Marfa wirkt auf den ersten Blick träge und schläfrig, zumindest Anfang der Woche. Selbst die einzige Verkehrsampel hier scheint langsamer zu blinken. Steht man Montag oder Dienstag in der kleinen Stadt, kann es tatsächlich passieren, dass man keinem Menschen begegnet. Das ist ein bisschen spooky, aber auch schön; die Zeit vergeht langsamer in dieser kleinen Stadt mitten in der Wüste, die erst am Wochenende aus dem Dornrörschenschlaf zu erwachen scheint. Dann geht ein Ruck durch Marfa und man macht sich bereit für die Touristen, die kommen, um das mystische Flair der Kleinstadt zu erleben, in der gerade mal 1.981 Menschen leben. Denn bei einem Roadtrip durch West-Texas ist klar: Es führt kein Weg an Marfa vorbei.

Roadtrip durch West-Texas
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Marfa ist ein Kosmos für sich oder wie viele Einheimische meinen: ein Geisteszustand. Läden haben keine Öffnungszeiten. Die Türen gehen auf, wenn die Betreiber ausgeschlafen sind. In Restaurants gibt es keine Reservierungen; vielleicht ist das auch besser, denn auch hier weiß man nie, wann geöffnet ist. Viele Kreative leben hier, die sich in der Stille der Stadt verwirklichen wollen, viele schrullige Menschen, die auf Regeln pfeifen, viele Aussteiger, denen das Leben in US-Großstädten zu hektisch war. Da ist etwas, das Menschen an Marfa anzieht. Auch Promis kommen, weil sie mit eigenen Augen sehen wollen, was hier genau fasziniert. Natalie Portman, Robert Pattinson, Jake Gyllenhaal – sie waren alle hier. Queen Beyoncé flog 2012 sogar im Privatjet nach Marfa. Dabei ist Marfa auf den ersten Blick eine wie viele andere kleine Städte in Texas. Früher lebte die Stadt von einem großen Viehverladebahnhof, heute ist Marfa ein einzigartiger Ort für Kunst und steht für fünf Schlagworte, die man mit Marfa verbindet – und denen man bei einem Roadtrip durch West-Texas unbedingt auf den Grund gehen sollte.

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Lights, Giant, Prada, Judd, Chinati. An diesen fünf Begriffen kommt niemand vorbei, der Marfa ansteuert. Doch was steckt dahinter? Die sogenannten „Marfa-Lichter“ hüllen den Himmel über Marfa in ein ganz besonderes Licht. Sie erscheinen nur während der Nacht und werden meist als kugelförmig, baseball- bis basketballgroß und hell leuchtend beschrieben. In der Marfa Lights Viewing Area (12 Kilometer östlich von am Highway 90) soll man das Phänomen besonders gut beobachten können. „Giant“ indes gibt es nur im TV zu sehen: Die Dreharbeiten zu dem Film brachte 1955 die damaligen Filmlegenden James Dean, Elizabeth Taylor und Rock Hudson nach Marfa. Mit Prada ist die Kunstinstallation Prada Marfa vor den Toren der Stadt gemeint – und mit Judd und Chinati zwei Begriffe, die seit der 70er Jahre untrennbar mit Marfa verbunden sind. Denn Marfa wäre sicher weniger im Gespräch, hätte sich Donald Judd – einer der bekanntesten Vertreter der Minimal Art – nicht in den 70er Jahren entschieden, seinen Lebensmittelpunkt und seine künstlerische Vision von New York nach Marfa zu verlegen. Seit seinem Tod 1994 betreibt die von ihm gegründete Chinati Foundation das Areal für zeitgenössischen Kunst inmitten der texanischen Wüste. 


Bestes Museum in Marfa: Zwischen vertrocknetem Wüstengras und grünen Kakteen hat Donald Judd am Stadtrand von Marfa ursprüngliche Baracken eines Militärstützpunkts, in denen Soldaten untergebracht waren, zum Kunstobjekt umgestaltet. Die The Chinati Foundation (1 Cavalry Row; Full Collection Tour € 25) gilt als geheimer Hotspot der zeitgenössischen Kunst inmitten der texanischen Wüste und umfasst heute 150 Hektar Land und etwa 30 Gebäude. Vorsicht: Fotografieren ist hier strikt verboten, auch Rucksäcke und Taschen dürfen nicht mit aufs Gelände genommen werden.

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Bester Kaffee in Marfa: Klein, versteckt in einem Hinterhof gelegen und ein bisschen abgerockt, gibt es bei Do Your Thing Coffee (201 R Dallas St) den besten Kaffee der Stadt.

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Bestes Frühstück in Marfa: Kleines Restaurant, großer Geschmack: Bei Aster Marfa (215 Highland St) frühstückt man in gemütlichem Ambiente frisch gebackene Kuchen oder deftige Gerichte wie Rösti mit Schweinebauch. Grund für Kreationen wie diese ist eine Schweizer Köchin.

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Bestes Dinner in Marfa: Ein paar Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt verbirgt sich im The Capri (603 W San Antonio St) ein großartiges Restaurant mit hippem Flair und relaxtem Biergarten. Die Gerichte kommen instagramtauglich daher, die Drinks sind großartig. Kein Wunder: Chefkoch Rocky Barnette werkte lange in einem Haubenlokal in Washington, D.C.

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Bester Veranstaltungsort in Marfa: Der Ballroom Marfa (108 E San Antonio St; Eintritt frei, Spenden von $5 pro Person erbeten) versteht sich als Kunstzentrum der Stadt, in dem zeitgenössische Kunst inszeniert wird – in Form von Ausstellungen, Konzerten, Filmvorführungen und Performances.

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Beste Shops in Marfa: Die besten Vintage-Klamotten der Stadt gibt es bei Freda (207 S Highland Ave), Kunst von lokalen Designern im Wrong Store (110 W Dallas St) und im The Marfa Store (204 E Dallas St), Cowyboystiefel bei der Cobra Rock Boot Company (107 S Dean St), handgemachte Seifen bei Marfa Brands (213 S Dean St) und die größte Buchauswahl und ein nettes Book-Café bei Marfa Book Company (105 S Highland Ave).

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Bestes Hotels in Marfa: Als lebende Legende gilt das Hotel Paisano (207 Highland St), das im Jahr 1930 eröffnet wurde. Im Sommer 1955 übernachteten die Stars aus „Giant“ volle sechs Wochen hier. Wer heute eincheckt, spürt garantiert das Flair von einst – und kann sich vorstellen, im selben Zimmer zu schlafen wie James Dean, Elizabeth Taylor oder Rock Hudson.  

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Beste Campsite in Marfa: Hippies und Bohemians zieht es zu El Cosmico (802 S. Highland Ave), wo man im Stil moderner Nomaden in einem Wohnwagen, einem Tipi oder einer Jurte übernachten kann. Es gibt wohl kaum einen passenderen Ort, um bei einem Roadtrip durch West-Texas Halt zu machen. Die Szenerie wirkt wie in Pastellfarben getaucht, die Stimmung ist magisch – und enorm instagramtauglich. Vorsicht: Wer hier nicht eincheckt, sollte nicht unerlaubt auf das Gelände gehen, sondern vorab an der Rezeption um Erlaubnis bitten.

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Wilder Westen in Lajitas

Der Bürgermeister von Lajitas, Clay Henry III., hat keinen guten Ruf. Er sei faul, liege den ganzen Tag nur herum und trinke Bier, sehr viel Bier, heißt es. Wenn Touristen auf ihrem Roadtrip durch West-Texas in Lajitas Halt machen, führt deshalb kein Weg daran vorbei, den Bürgermeister zu besuchen. Allerdings nicht im Rathaus, das es hier in der Wüste im Big Bend Nationalpark gar nicht gibt, sondern beim Lajitas General Store. Hier lebt Clay Henry III. mit seiner Frau in einem großen Gehege. Denn der Bürgermeister von Lajita ist eine Ziege. Was in den 80er Jahren als Joke entstand, ist heute eine Tradition, die mit Augenzwinkern fortgeführt wird: Dankt ein Bürgermeister ab, wird ein neuer gewählt – und es ist immer eine Ziege.

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Lajitas liegt im südwestlichen Teil des Brewster County, ganz in der Nähe des Eingangs zum Big Bend Nationalpark. Hier kommt man bei einem Roadtrip durch West-Texas unweigerlich vorbei – und sollte auch bleiben. Der Name kommt aus dem Spanischen und bedeutet „kleiner, flacher Fels“. Einst lebten mexikanische Indianerstämmen hier, dann kamen die Apachen und später die Comanchen. Erst 1852 wurde das Gebiet von einem US-Offizier näher erkundet. Das änderte die Lage des verschlafenen Gebietes: Man entdeckte Quecksilber. Viele Anglo-Amerikanern siedelten sich an und Lajitas entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz. Zumindest bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit dem Rückgang des Quecksilberabbaus veränderte sich die Lage erneut. Lajitas wurde beinahe zur Geisterstadt und hatte 1949 nur noch vier Einwohner. Lange blieb es ruhig, bis 1976 ein Unternehmer das Areal kaufte, die Renovierung des Ortes einleitete und Lajitas in ein Feriengebiet verwandelte. Mit Erfolg: Heute gilt Lajitas als Insidertipp für einen relaxten Urlaub im malerischen Big-Bend-Gebiet.

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Beste Snacks in Lajitas: Die einzige Möglichkeit, beim Roadtrip durch West-Texas in der Lajitas-Gegend schnell etwas zu essen oder für unterwegs einzukaufen, gibt es im Lajitas General Store (55 Main Street, Lajitas), einer Mischung aus Supermarkt und Snackbar. Die Sandwiches werden frisch gemacht und auch für unterwegs eingepackt. Neben dem Store residiert Lajitas Bürgermeister Clay Henry III. in seinem Gehege.

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Bestes Hotel in Lajitas: Zwischen Big Bend National Park und Big Bend State Park liegt das malerische Lajitas Golf Resort (HC 70, Lajitas), eine gigantische Hotelanlage mit luxeriösen Zimmern, mehreren Restaurants und Bars, Shops, Cafés, Pools und sogar einer Zipline.

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Beste Aktivität in Lajitas: Wer das echte Cowboyfeeling sucht, wird in den Lajtas Stables (TX-118, Terlingua; 2 Stunden $ 77 pro Person) fündig: Es gibt nichts Schöneres, als zum Sonnenuntergang auf dem Rücken der Pferde durch den Big Bend Nationalpark zu reiten und in absoluter Stille die Schönheit der Wüste zu erleben.

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Bestes Museum in Lajitas: Um die Vielfalt des Big Bend Nationalparks richtig zu verstehen, lohnt sich ein Besuch im Barton Warnock Center (Eintritt $ 5). Dr. Barton Holland Warnock war ein US-amerikanischer Botaniker und Kenner der Chihuahua-Wüste. Im Center bekommt man eine Überblick über die archäologische, historische und biologische Seite der Big-Bend-Region.

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Schrullige Gestalten in der Geisterstadt Terlingua

Zwischen feinem Wüstenstaub und saftigen Kakteen thronen Ruinen verlassener Häuser, mit schiefen Steinwänden und kantigen Ziegel, manche von Wüstengras überwuchert. Terlingua erhebt sich sanft nach oben; am tiefsten Punkt ein verlassener Friedhof, am höchsten Punkt eine kleine Kirche. Dazwischen ein staubiges Nichts mit der seltsamen Stille einer Geisterstadt, in der das Leben von einst erloschen scheint, obwohl die Spuren von früher durchaus Geschichten erzählen. Ende des 19. Jahrhunderts schrieb man hier das erste Kapitel, als ein großes Quecksilbervorkommen entdeckt wurde. 1903 wurde die Chisos Mining Company gegründet und Terlingua erblühte zum vollen Leben, wenigstens für drei Jahrzehnte. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Anfang der Großen Depression ging der Quecksilberanbau rapide zurück. 1946 verließen die letzten Minenarbeiter die Stadt – und Terlingua wurde zur Ghost Town, die bei einem Roadtrip durch West-Texas keinesfalls fehlen darf. Geister gibt es zwar keine (mehr), dafür aber viele schrullige Gestalten.

Roadtrip durch West-Texas
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Terlingua ist einer jener Orte in Texas, die tatsächlich irgendwo im Nirgendwo liegen und so klein im Vergleich zur Größe des Lone Star States sind, dass man sie leicht übersehen könnte. Rundum nur Wüste und Prärie. Tagsüber ist die Geisterstadt verschlafen, lockt aber stetig Besucher an. Cowboyboots und Cowboyhüte sind in Terlingua Alltagskleidung. Was wie das Filmset eines Westernmovies wirkt, ist echter, als man meinen würde. Wenn abends die Sonne langsam über Terlingua untergeht, erlebt man Texas genau so, wie man es sich immer ausgemalt hat. Ist die Sicht klar, offenbart sich zum Sonnenuntergang die Weite der texanischen Landschaft und man kann das 80 Meilen entfernte Gebirge Santa Fe de Los Pinos in Mexiko klar erkennen. Die Nächte sind sternenklar und scharf gezeichnet: An wenigen Orten in den USA ist der Sternenhimmel so intensiv und strahlend sichtbar wie hier. Es ist das dunkle Nichts um Terlingua, das das ermöglicht. Keine Lichter anderer Städte haben die Chance, vom Nachthimmel abzulenken, der sich hier ausbreitet, als würde er nirgendwo enden. 

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Bester Shop in Terlingua: Der beste und einzige Shop in Terlingua bietet ein großartiges Sortiment an allem, was man benötigen könnte. Bei der Terlingua Trading Company (100 Ivey St) gibt es nichts, was es nicht gibt – vom Cowboyhut über indianische Kunst bis hin zu mexikanischen Salsas. 

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Beste Aktivität in Terlingua: Unter „The Porch“ versteht man im Deutschen eine Veranda – und die ist in Terlingua erklärter Treffpunkt der Stadt, nicht nur für die Einwohner der Geisterstadt, sondern auch für Besucher aus umliegenden Orten und für Touristen. Denn in der Abenddämmerung ist es Tradition, sich auf „The Porch“ zu versammeln und ein kaltes Bier zu trinken, das es im gut sortieren Getränkeraum der Terlingua Trading Company (100 Ivey St) zu kaufen gibt.

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Bestes Dinner in Terlingua: Von der schrulligen Veranda braucht es nur wenige Schritte ins The Starlight Theater (631 Ivey Road), wo sich abends jeder zum Dinner trifft. Das Essen ist so gut, dass die Leute meilenweit fahren, um einen Abend hier zu verbringen. Und weil Terlingua auch berühmt für sein Chili ist und seit 1967 ein Chili-Cook-off stattfindet, gilt der scharfe Klassiker als Geheimtipp. Schräg: Hier kann man den Vorgänger von Bürgermeister Clay Henry III. besuchen. Der thront ausgestopft im hinteren Bereich des Restaurants.

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Bestes Hotel in Terlingua: Das Perry Mansion (100 Ivey St) ist eine kleine Perle mit einer großen Geschichte aus den Zeiten der Minenarbeiten in den Chisos Mountains. Hier befand sich hoch über der Chisos-Mine im sogenannten „Beverly Hills von Terlingua“ das Herrenhaus des Eigentümers Howard E. Perry, der es speziell für seine Braut bauen ließ. Heute gibt es eine handvoll individuell gestalteter Zimmer, das jedes für sich eine Augenweide ist.

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Wild wild West-Texas im Big Bend Nationalpark

Es ist still im Big Bend Nationalpark. Die Einsamkeit der texanischen Wüstenlandschaft zeigt sich nirgendwo anders so leise und doch so gewaltig wie hier, in einem der größten Nationalparks der Vereinigten Staaten. Der Big Bend Nationalpark ist zwar nicht der größte, aber dafür der artenreichste Nationalpark der USA. Denn da die Höhe des Parks von 500 Metern bis hinauf zu 2.300 Metern reicht, gibt es eine große Vielfalt an Lebensräumen und vorkommenden Tier- und Pflanzenarten, seltene Tierarten wie Schwarzbären, Berglöwen und Pumas inklusive. Insgesamt kommen über 1.200 Pflanzenarten und 3.600 Insektenarten vor. 

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Der größte Teil des Big Bend Nationalparks ist die Chihuahua-Wüste, die tief bis nach Mexiko hineinreicht, dennoch ist es immer der Rio Grande, der hier als Konstante gilt: Der Fluss mäandert wie ein langes, bogenförmiges Band durch die Wüste und die Bergketten. Auf einer Fläche von fast 3.300 km² ist die Big-Bend-Region ein Symbol für die unendliche Weite, die Texas zu bieten hat, und eben jene ausgedehnte Prärie- und Wüstenflächen, wo der Horizont niemals zu enden scheint. Staubige Wüstenebenen mit saftigen Yuccas und Kakteen, hohe Berge mit tiefen Canyons, grüne Flusslandschaften mit dem allgegenwärtigen Rio Grande. Dazwischen eine gewundene Straße, auf der man stundenlang keinem anderen Auto begegnet. Kein Wunder, dass die ersten spanischen Entdecker diese Gegend schlicht „El Despoblado“ – „Das unbewohnte Land“ tauften. Bei einem Roadtrip durch West-Texas kann es tatsächlich passieren, dieses unbewohnte Gefühl über Tage mit sich zu nehmen.

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Beste Wanderungen im Big Bend Nationalpark:
Eine der bekanntesten Wanderungen im Big Bend Nationalpark führt über den Lost Mine Trail. Über knapp vier Kilometer steigt der Weg sanft an und führt stetig nach oben. Nach etwa 1,6 Kilometer erreicht man den Juniper Canyon Overlook, wo man bereits einen umwerfenden Blick auf den Casa Grande Peak und den Juniper Canyon hat. Die nächsten zwei Kilometer führen über Serpentinen nach oben bis zu einem Bergrücken. Der Trail endet an einem abrupt nach oben aufragenden Felsen. Zur Belohnung gibt es ein 360-Grad-Panorama auf den Pine Canyon und die Sierra del Carmen in Mexico. Zurück geht es über denselben Weg nach unten.
Start: An der Panther Junction rechts in Richtung Chisos Basin/Castelon fahren und kurz danach an der Chisos Mountain Basin Junction links abbiegen. Nach ca. 8 Kilometern befindet sich der Trailhead und der Parkplatz auf der linken Seite.

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Als Geheimtipp gilt die nur dreieinhalb Kilometer lange Wanderung über den Grapevine Hills Trail zum Balanced Rock. Der Weg führt erst eben in einen Canyon voller abgerundeter, granitähnliche Felsbrocken in allen Formen und Größen. Die Grapevine Hills sind das Ergebnis von aufsteigendem Magma, die von darüber liegenden Sedimentgesteinsschichten eingeschlossen wurde. Das letzte Viertel der Wanderung ist eine Kletterpartie: Über schmale Wege und Felsen klettert man nach oben, bis man endlich jenen Stein sieht, wegen dem man gekommen ist. Der Balanced Rock besteht aus einem gigantischen runden Felsen, der auf zwei anderen Felsen gestützt in der Höhe thront und so ein unfassbar schönes Fenster zur Welt des Big Bend öffnet.
Start: Westlich von Panther Junction über die Grapevine Hills Road fahren. Von der Hauptstraße bis zum Parkplatz sind es etwa zehn Kilometer. Vorsicht: Der letzte Teil führt über eine unbefestigte, ruckelige Straße.

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Die Wanderung zum Santa Elena Canyon führt zum Rio Grande und wieder ganz nahe zu Mexiko. Denn der Canyon stellt erneut die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Der Weg führt über insgesamt drei Kilometer und endet an den ca. 1.500 Fuß hohen Felsen am Terlingua Creek, deren eine Seite in den USA und die andere in Mexiko steht. Über das Flussbett geht es über Rampen und Stufen nach oben, es sei denn, das Wasser steht zu hoch – dann ist der Felsen erst gar nicht zu erreichen und man muss den Canyon aus der Ferne bewundern.
Start: Ca. 10 Kilometer westlich von Castolon, Zufahrt entweder über den Ross Maxwell Scenic Drive oder die Old Maverick Road.

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Bester Kaffee im Big Bend Nationalpark: Das Big Bend Resort Café ist eigentlich nicht mehr als ein kleiner Kiosk, das Frühstück kann sich aber sehen lassen. Der Kaffee ist richtig gut, die Muffins werden täglich frisch gebacken. Plus: Es gibt direkt nebenan einen großen Store, der Fokus liegt auf Sportklamotten und Mitbringseln.

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Bestes Lunch im Big Bend Nationalpark: Ein Lunch with a view erlebt man in der Chisos Mountain Lodge (Basin Rural Station, Big Bend National Park), wo man aus den großzügigen Fenstern einen tollen Ausblick auf den Nationalpark hat, während man die gute Tex-Mex-Küche austestet.

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Beste Aktivität im Big Bend Nationalpark: Bei einer Kanutour über den Rio Grande passiert man um die 60 Mal die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Die liegt nämlich immer am tiefsten Punkt des Flusses. Die ½ Day River Trip with Far Flung ($ 79 pro Person) ist deshalb ein Abenteuer, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Bestes Museum im Big Bend Nationalpark: Wer Lust auf eine Zeitreise hat, die sich um die Tiere dreht, die einst im Big Bend Nationalpark lebten, sollte unbedingt beim Fossil Discovery Exhibit (12 Kilometer nördlich der Panther Junction am Highway 385; Eintritt frei) Halt machen. Mitten in der Wüste reicht die Reise hier 130 Millionen Jahre zurück!

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♥ Weiterreisen in den USA ♥

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Offenlegung

Travel Texas hat mich in Kooperation mit Visit El Paso, Visit Marfa und Visit Big Bend zu diesem Roadtrip durch West-Texas eingeladen.

(Werbung, unbezahlt / Pressereise / Ortsnennung und Verlinkung)


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