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Reise-Kolumne: Manchmal (f)lieg ich falsch!

Es klingt absurd, ich weiß, aber eigentlich fliege ich ja nicht so gerne. Und tue es trotzdem ständig. Dabei passieren mir so oft schräge Geschichten, dass ich irgendwann damit begonnen habe, diese skurrile Erlebnisse zu sammeln, um eines Tages drüber zu schreiben.

Einmal flog ich von Berlin nach Klagenfurt; neben uns wurde eine Maschine nach Köln abgefertigt. Als ich mich gerade anschnallte, hörte ich in der Reihe vor mir eine Frau fragen: „Seit wann gibt’s auf Flügen nach Köln freie Sitzplatzwahl?“ Die Gute geriet an einen waschechten Kärntner, der ihr trocken antwortete: „I hob ka Ahnung, wie des beim Fliagn noch Köln is, oba mia fliagn noch Klognfurt.“

Schon an dieser Stelle spürte ich ein Glucksen meine Kehle hochsteigen, doch als besagte Dame laut schreiend nach vorne hetzte, nässte ich mich beinahe ein. Aber es kam noch besser. Als der Pilot sie nach draußen bugsiert hatte, parlierte er amüsiert ins Mikro: „Aus gegebenem Anlass möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Maschine nach Klagenfurt fliegt. Wenn das nicht in Ihrem Sinne ist, sollten sie jetzt reagieren.“

In der Annahme, dass es nicht zwei solche Trotteln in einer Maschine geben kann, zeigte ich Desinteresse, aber dann brauchte ich fast eine Windel: Weitere vier Deppen hetzten nach draußen, um nach Köln und ja nicht nach Klagenfurt zu kommen. (Wenn man mich fragt, ist das der Grund für die hohe Deutschland-Rate an Österreichs Unis. Die waren einfach zu blöd, die richtige Maschine zu kriegen und sind bei uns – im wahrsten Sinne des Wortes – gelandet.)

Auch toll beim Fliegen sind spaßige Mitreisende. So wie einst die ältere Dame, die sich bei einem Flug nach Wien an mich wandte und fragte: „Wohin fliegen denn Sie?“ Erst stutzte ich, dann meinte ich feixend: „Nach Frankfurt. Und Sie?“ Die gute Frau sah mich bedauernd an. „Nach Wien. Da nehmen Sie wohl die Station vor mir“. Ja ja. Gott hab sie selig.

Aber meine schönste Geschichte erlebte ich mit einem Ex-Kollegen. M. ist eine Spaßgesellschaft auf zwei Beinen. Ungewollt und meist unwissentlich. Wenn er fliegen muss, ist er Tage davor einem Nervenzusammenbruch nahe. Nicht, weil er Flugangst hat. Aber er ist ein Bewegungs-Legastheniker und dadurch ein notorischer Tollpatsch, der genau weiß: Je enger der Raum, desto größer das Unglück. So auch damals. M. wartete panisch auf ein Fettnäpfchen, doch nichts passierte. Nach zehn Minuten wurde er ruhiger und lehnte sich zurück. „Ich glaub, ich hab mein schlechtes Karma heute zu Hause gelassen“, sagte er freudig, schnallte sich ab, da soeben die Signalzeichen erloschen waren, und bückte sich, um seine Tasche hochzunehmen. BAM! – in dieser Sekunde schnellte der Sitz des Passagiers vor ihm nach hinten – und quetschte M. unter seinem Sitz fest. Der wand sich hysterisch hin und her und quiekte wie ein frisch gepresstes Ferkel, während ich mich vor lauter Lachen einem Schlaganfall näherte. Seitdem steigt M. noch unwilliger in ein Flugzeug. Und seine Bandscheiben? Nun ja …

Übrigens bin ich mal auf einer so genannten „Black List“ einer Fluggesellschaft gelandet. Was so viel heißt wie: Man hat entweder Sprengstoff in der Handtasche, das Bodenpersonal sexuell belästigt oder ist sonst unangenehm aufgefallen. Und nein – diese Geschichte erzähle ich an einer anderen Stelle.


(Erstmals erschienen in: „Kärntner Monat“, Ausgabe 02/2010)

Ein Kommentar

  1. Herbert Herbert

    Dein Geschichten sind immer wieder erheiternd 😊😊😊😊👍👍👍

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